Rosa oder Die barmherzige Erde - Spiegel online

Denn es ist dies die Stunde des Schauspielers Tobias Moretti. Sein Désiré kommt schlurfend in kleinen Schritten daher, etwas nach vorn gebeugt mit der Vorsicht eines Menschen, der die Wege nicht (mehr) kennt. Versonnen fast, entrückt und entfernt in einer Welt ganz außerhalb der (be-)greifbaren, spricht er abgehackt und mit schmerzenden Pausen, wirr und mit einem verteufelt verschmitzten Lächeln; dann braust er auf, wie innerlich getroffen, empört und schreiend - sackt zusammen und verkriecht sich in seiner alten Hülle. Das Gefühl für seinen Körper mag ihm abhandengekommen sein, aber da sind diese Stimmen in seinem Kopf, die ihm noch erzählen können, die Momente, die ihn erinnern lassen, und da ist Shakespeare, aus dessen Sätzen er sich die Fragmente einer vergangenen Liebe zusammenkramen und nochmals, letztmals spüren kann - auch wenn um ihn herum niemand davon etwas ahnt.

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