Der Weg ist das Ziel

Burgtheaterstudio
von Verena Holztrattner Lesedauer 2 Minuten

„Am schönsten scheitert es sich gemeinsam!“ meint Regisseurin Verena Holztrattner und verrät uns ihre Gedanken zur Bühnenadaption des Bilderbuchs Wie Ida einen Schatz versteckt“ von Andri Beyeler.

WIE IDA EINEN SCHATZ VERSTECKT UND JAKOB KEINEN FINDET ist ein Stück, das die fantasievolle Suche hochleben lässt. Zwei Kinder, Ida und Jakob, begeben sich, getrennt voneinander, auf eine Abenteuerreise mit dem klaren Ziel, einen Schatz zu finden beziehungsweise zu verstecken. Was sie konkret suchen und welcher Schatz versteckt werden soll, bleibt dabei bis zum Ende offen. Wichtig ist: sie ziehen los, sie lassen ihre gewohnte Umgebung hinter sich, und machen sich bereit für das Unbekannte – fest entschlossen und ohne Furcht, zu scheitern. Scheitern tun sie natürlich trotzdem. Und Scheitern schmerzt bekanntlich. Aber was wären Abenteuer ohne Umwege, und wie viele unverhoffte Begegnungen mit Menschen, Orten und Ideen haben sich nicht schon aufgetan, gerade weil man eine vermeintlich falsche Abzweigung genommen hat? Dass Scheitern nur recht wenig Platz in unserer Gesellschaft hat, haben wir vermutlich alle schon zu spüren bekommen. Um den immer höheren Standards in allen Lebensbereichen zu entsprechen, bleibt kaum Zeit für abenteuerliche Verirrungen. Die Frage, was dabei auf der Strecke bleibt, welche unwiederbringlichen Momente man versäumt, wird oft vernachlässigt.

WIE IDA EINEN SCHATZ VERSTECKT UND JAKOB KEINEN FINDET kommt
am 11. Dezember 2022 im Vestibül zur Österreichischen Erstaufführung.

Aber Ida und Jakob lassen sich diese Augenblicke nicht nehmen: Mit viel Mut und Neugierde stürzen sie sich in ihr Abenteuer, allen (über)fürsorglichen und kritischen Stimmen zum Trotz. Die Bekanntschaften, die sie auf ihrer Reise machen, lassen sie über sich hinauswachsen und bringen sie, Schritt für Schritt, näher an ihr Ziel.

Unverdrossen scheitern sie von einem Ort, von einer Begegnung zur nächsten, und sammeln dabei Wissen über die Welt und sich selbst. Jedem gescheiterten Versuch wohnt auch ein kleiner Sieg inne. Grund genug, eine gesunde Kultur des Scheiterns zurückzufordern.

Ida und Jakobs Wege kreuzen sich erst am Ende des Stücks. Und doch helfen sie einander von Beginn an, ihren Fantasien Gestalt zu geben. Sie begleiten sich als Erzählerin und Erzähler auf den je gegenseitigen Irr- und Umwegen, schlüpfen aber auch kühn in die Rolle des jeweiligen Gegenübers. Das Scheitern findet also nicht in Isolation statt, sondern gemeinsam, und in einer Art und Weise, die ein Weitergehen nicht nur ermöglicht, sondern ermutigt.

Portraitbild von Verena Holztrattner
Verena Holztrattner
© Christian Borchers

Verena Holztrattner

geboren 1990 in Salzburg, ist Regieassistentin am Burgtheater. Von 2018 bis 2021 studierte sie Regie am Mozarteum Salzburg. Davor arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Salzburg. Von 2008 bis 2015 studierte sie Anglistik und Amerikanistik (BA) und English Studies and the Creative Industries (MA) an der Paris Lodron Universität Salzburg und am Trinity College Dublin.

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