Dschabber (ab 13)

Österreichische Erstaufführung, Vestibül

 

Fatima ist eine “Dschabber” – die selbstbewusste junge Muslima ist vor einigen Jahren mit ihren Eltern aus Ägypten geflohen, die Integration in Österreich ist geglückt. Fatima hat sich für das Kopftuch, den Hidschab, entschieden, ebenso wie ihre besten Freundinnen, ironisch und zugleich offensiv nennen sie sich selbst die “Dschabber”. Doch nach einem muslim-feindlichen Vorfall an der Schule schicken ihre Eltern die widerstrebende Fatima in eine andere Schule. Dort ist sie die einzige “Dschabber” und die zur Schau getragene mitleidige Toleranz und die gut gemeinte, tatsächlich aber aufdringliche Offenheit, mit der man dem Mädchen begegnet, lassen Fatima ihr Anderssein schmerzhaft spüren, auch wenn sie Projektionen und Klischees mit Souveränität begegnet.

 

Vestibül

Österreichische Erstaufführung: Dezember 2020

Dschabber

Marcus Youssef

Deutsch von Bastian Häfner

Regie: Anja Sczilinski

Bühne: Peter N. Schultze

Kostüme: Lili Wanner

Choreografie: Daniela Mühlbauer

Musik: Kilian Unger

Licht: Mathias Mohor

Dramaturgie: Claudia Kaufmann-Freßner

Jonas, ihr Mitschüler, macht mit Fatimas Schlagfertigkeit bald Bekanntschaft. Der Junge scheint Probleme anzuziehen und macht sich mit seinem nicht immer mehrheitsfähigen Humor wenig Freunde. Doch nach einem ersten Schlagabtausch merken beide, dass da etwas zwischen ihnen ist, was sie zu verbinden scheint. Jonas erlaubt Fatima einen Blick hinter die coole Maske und erzählt von seiner Familie – die durch die Gewalttätigkeit seines Vaters keine mehr ist. Zwischen den beiden Teenagern entwickelt sich eine vorsichtige Liebesgeschichte, der von allen Seiten Gefahr droht: Jonas’ eifersüchtige Ex- Freundin und Fatimas Eltern einerseits, andererseits Fatimas Skrupel und Ängste und Jonasʼ Überschwang und Impulsivität – die Beziehung läuft Gefahr, am Dogma von der Unvereinbarkeit der Kulturen zu scheitern. Doch so problematisch die Unterschiede auch sind – unüberbrückbar sind sie für Fatima und Jonas nicht.

Der kanadische Autor Marcus Youssef erzählt einfühlsam, unsentimental und humorvoll von einem selbstbewussten Mädchen und einer umstrittenen Kopfbedeckung, von familiärer Gewalt und den Mechanismen der Stigmatisierung – und von zwei Jugendlichen, die sich von den Rändern der Gesellschaft zu einander auf den Weg machen. Eine Produktion mit dem Studioensemble.

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