DSCHABBER: Unterdrückung oder Selbstbestimmung? 

Eine Spurensuche aus dem BURGTHEATERSTUDIO

Das Tragen eines Kopftuchs gilt als eine Inanspruchnahme des Rechtes auf Religionsfreiheit, das in Artikel 14 Abs. 1 des Staatsgrundgesetzes 1867 sowie in Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschrieben ist. Daher gab es in Österreich lange Zeit kein Kopftuchverbot. Im November 2018 beschloss der Nationalrat ein Kopftuchverbot für Kindergärten, im Mai 2019 folgte es für Volksschulen. Lehrkräfte müssen seither kopftuchtragende Mädchen zwischen 6 bis 10 Jahren der Schulleitung melden. Die Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) plant ein Verbot für Mädchen bis 14 Jahre und auch für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen einzuführen.

Kinder orientieren sich an den Lebensweisen ihrer Eltern, dabei spielt in vielen Familien auch die religiöse Erziehung eine wichtige Rolle. Religiös geprägte Handlungsweisen sind in den Familien, Erwachsenen wie auch Kindern wichtige Orientierungspunkte für die eigene Kultur und Identität. So wurde das Tragen eines Kopftuchs zur symbolischen Kampfarena. Junge Muslima wie Huda Edelbrock, 21, meinen „Das Kopftuch ist für mich vor allem ein Dienst an Gott, da es so im Koran vorgeschrieben ist. Zudem gibt es mir Selbstbewusstsein. Gleichzeitig setze ich mit dem Kopftuch auch ein feministisches Zeichen: Frauen werden eben nicht nur durch ihr Äußeres definiert.“ Selda Isik, 28, erklärt „Meine Eltern waren nicht begeistert von meiner Idee, aber ich habe trotzdem ab der neunten Klasse Kopftuch getragen. Aus religiöser Überzeugung. Einige Lehrer aber guckten grimmig. Ich war aber stolz auf meine Entscheidung und auf meine Selbstbestimmung. Im Alltag vergesse ich oft mein Kopftuch, die Vorurteile und die Ablehnung der anderen. Das Kopftuch ist für mich nur ein Kleidungsstück – nicht wichtiger als ein Pullover oder eine Hose.“ Seyran Ates, die deutsch-türkische Menschenrechtsaktivistin und Anwältin, dagegen sagt „Ich bin sehr froh, dass Österreich den Schritt gemacht hat, Kopftücher in Kindergärten und Volksschulen zu verbieten. Wenn man Mädchen ein Kopftuch aufsetzt, nimmt man ihnen die Kindheit und sexualisiert sie. Man drängt sie in die Rolle eines Sexualobjekts und schränkt sie in ihrer Entwicklung ein, das ist für mich Kindesmissbrauch. Die betroffenen Kinder würden sich später ohne Kopftuch nackt fühlen, eine reflektierte, freiwillige Entscheidung für oder gegen das Kopftuch im Erwachsenenalter sei damit kaum möglich.“ 


FATIMA IST EINE „DSCHABBER“ 

Die neue Produktion des Studioensembles des BURGTHEATERSTUDIOS erzählt humorvoll die Geschichte von Fatima, einem selbstbewussten Mädchen und einer umstrittenen Kopfbedeckung, von familiärer Gewalt und den Mechanismen der Stigmatisierung. Für die Inszenierung suchen wir junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die gern gemeinsam mit Schauspieler*innen des Burgtheaters auf der Bühne stehen und mit dem künstlerischen Team eine Inszenierung für das BURGTHEATERSTUDIO erarbeiten möchten. Interessiert? 

Anmeldungen: burgtheaterstudio@burgtheaterstudio.at


 

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