GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD

 „Im Zentrum steht meist ein junges Mädchen, dessen Schicksal dadurch gegeben ist, dass es an einen Mann gerät, der ein typisches Produkt seiner Zeit sein soll. Die Frau wird zum Opfer von Umständen, für die sie nichts kann. Die vertraute Umwelt ist zerstört, damit auch die vorgegebene Lebensbahn. Die durch die Umwälzung mögliche Emanzipation erweist sich als trügerische Hoffnung. Der Versuch, aus dem anerzogenen Rollenverständnis auszubrechen, scheitert. (Inwieweit das dargestellte Scheitern nicht auch den Wunschvorstellungen der Autoren entspricht, sei dahingestellt).“ Wendelin Schmidt-Dengler

 

Burgtheater

Saison 2021/22

PREMIERE

Geschichten aus dem Wiener Wald

volksstÜck in drei teilen

ÖDÖN VON HORVÁTH

Regie: JOHAN SIMONS

Bühne: JOHANNES SCHÜTZ

Kostüme: GRETA GOIRIS

Musik: MIEKO SUZUKI

Licht: FRIEDRICH ROM

Dramaturgie: SEBASTIAN HUBER, KOEN TACHELET

Soweit das trivialliterarische Muster, das auch Ödön von Horváths populärstem Stück zugrunde liegt, in dem Marianne, die Tochter des „Zauberkönigs“, an den Fleischhauer Oskar verlobt werden soll, dann an den „Typ“ Alfred gerät, der nicht arbeitet, sondern spekuliert und es gewohnt ist, sich von Frauen aushalten zu lassen. Marianne bekommt ein Kind von ihm, das bald stirbt, sie versucht alleine in der Welt zu stehen und endet schließlich wieder bei Oskar, der immer schon wusste, dass sie seiner Liebe nicht entgehen wird. Durch das bekannte Muster hindurch und mit seiner Hilfe beschreibt Horváth nicht zuletzt die Voraussetzungen für das Aufziehen des Faschismus. Bei der Uraufführung 1931 in Berlin und besonders bei der Österreichischen Erstaufführung 17 Jahre (!) später in Wien, sorgte das als schonungslos und brutal empfundene Bild der Wiener Verhältnisse noch für Skandal. Mittlerweile gehören die Gemeinheit, das Menschenfresserische der Figuren zum (literarischen) Selbstverständnis dieser Stadt. Eine Aufführung für heute hätte das Stück aus der Rolle eines Klassikers der Wiener Stadt-Folklore, von der dem Autor niemals träumen konnte, wieder zu befreien.

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