Hans Dieter Knebel ist Kammerschauspieler

Ensemblemitglied Hans Dieter Knebel ist zum "Kammerschauspieler" ernannt worden. Die Auszeichnung durch Jürgen Meindl, Leiter der Sektion Kunst- und Kultur im Bundeskanzleramt, fand am 8. September nach der Vorstellung von KEINE MENSCHENSEELE im Kasino des Burgtheaters statt. Lesen Sie hier die Laudatio von Ensemblekollegen Martin Schwab.

Hans Dieter Knebel, Martin Schwab
© lukas beck

Hans Dieter Knebel ist gelernter Konditormeister, er begann seine Laufbahn 1978 als Schauspieler und Regieassistent am Schauspielhaus Bochum. Von 1979 bis 1981 war er Mitglied des Wuppertaler Tanztheaters, wirkte dort in allen laufenden Produktionen mit, übernahm die Rolle des Blaubart im gleichnamigen Stück von Pina Bausch. Mit dem Ensemble gastierte er in Paris, Berlin, Belgrad, in Südamerika und Israel, 1981 kehrte er als Schauspieler ans Schauspielhaus Bochum zurück. 1986 kam er mit Peymann nach Wien, seither ist Knebel Mitglied des Burgtheater-Ensembles.

Derzeit ist er in KEINE MENSCHENSEELE (LAOKOON) im Kasino am Schwarzenbergplatz zu sehen sowie in Goethes FAUST (Regie Martin Kušej) und Horvaths GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD (Regie Johan Simons) auf der Burgtheaterbühne zu erleben.

Laudatio von Martin Schwab

 

 

Hans Dieter Knebel, Martin Schwab
Hans Dieter Knebel, Martin Schwab
© lukas beck

Ich zitiere zuerst einen Text, den unsere neue künstlerische Generalsekretärin Corina Lange zur Entstehung des Berufstitels "Kammerschauspieler" dem ganzen Ensemble zukommen ließ:

 

Die Verleihung von Titeln wie z.B. Kammersänger und Kammersängerin, Kammervirtuos*in, Kammermusikus usw. zeigt, welche große Bedeutung private musikalische Aufführungen im kleinen Kreis an den fürstlichen Höfen seit dem 17. Jahrhundert im Unterschied zu öffentlichen Veranstaltungen in Kirchen und Theatern hatten. Erst die Donaumonarchie im 19. Jahrhundert stellte den so geehrten Musikanten die „Hofschauspielerin" und den „Hofschauspieler" des kaiserlich-königlichen (k.k.) Hofburgtheaters an die Seite. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie, dem Verschwinden des Kaiserhofes und anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Burgtheaters (8. April 1926) machte der damalige Direktor des Burgtheaters Franz Herterich 1925 den Vorschlag, einen Ersatztitel für diesen Titel einzuführen: Er schlug den Ehrentitel „Kammerschauspielerin" und Kammerschauspieler" vor. Mit Entschluss des damaligen Bundespräsidenten Michael Hanisch wurde dieser Berufstitel am 13. Februar 1926 geschaffen und zunächst nur an Burgtheater-Schauspielerinnen und Schauspieler verliehen. Die ersten Träger*innen von 1926 waren Maria Mayen, Maria Mayer, Raoul Aslan und Willy Thaler.  

1971 wurde der Berufstitel „Kammerschauspielerin" und Kammerschauspieler" in das österreichische Berufstitelgesetz eingegliedert und war damit nicht mehr nur auf Mitglieder des Burgtheaters beschränkt, sondern wird seitdem auch an Mitglieder anderer österreichischer Bühnen vergeben. 

 

Hans Dieter Knebel -HDK- Seit 1986 ohne Unterbrechung an unserem Theater – wird endlich nach 36 Jahren mit dem Berufstitel „Kammerschauspieler" geehrt. Er, der als einer aus dem Ruhrgebiet Gekommener, lt. Auskunft und Hinweis der Deutschen Botschaft in Wien, diesen Titel, der als ein rein österreichischer Titel zu bezeichnen sei, nur in Österreich tragen darf! Mein Gott, was haben die Deutschen für Sorgen! Aber weil HDK ein Wahlösterreicher bleibt, ist ihm das "scheißegal". Österreich und das Burgtheater können auf ihn stolz sein, Weiß Gott!  

Was für ein Weg, vom Kohlenpott in die Stadt des weißen Flieders. 1977 hat er die Konditoren-Meisterprüfung in Köln mit "summa cum laude" abgelegt und 1979 alles stehen gelassen, um nach Wuppertal zum weltberühmten Tanztheater der PINA BAUSCH zu gehen, wie hat er das bloß geschafft? Fragen Sie den Kammerschauspieler selbst.  

Keine Menschenseele
Hans Dieter Knebel
© Susanne Hassler-Smith

Gastspiele in Israel, Südamerika, Paris, Belgrad, Berlin... (Kontakthof, Blaubart, Keuschheitslegende, Arien, Er nimmt sie an der Hand, die anderen folgen). 1982 hängte er die Tanzschuhe an den Nagel und wechselte als SCHAUSPIELER an das Schauspielhaus Bochum, um dann 1986 (sic!) mit Claus Peymann nach Wien an das Burgtheater zu wechseln. Oft gestellte Frage: Hat Sie der Peymann auch mitgebracht?

Bei den Salzburger Festspielen spielte HDK 5 Sommer lang den Dicken Vetter in Jedermann, regelmäßig bei den Festspielen in Reichenau, Festspiele auf der Rosenburg und im Burgtheater war er immer wieder mit Solo-Abenden über Morgenstern, Kästner und Ringelnatz zu erleben, es gibt CDs davon. 

Nicht zu vergessen ist das Musical High Society am Stadttheater Baden und die Operette „Im weißen Rössl" an der Wiener Volksoper. Hans Dieter Knebel hat mit den erfolgreichsten Regisseuren in der Zeit zusammengearbeitet (u.a. Peymann, Alfred Kirchner, Zadek, Tabori, Breth, Achim Freyer). Er brachte das körperbetonte Spiel der Pina Bausch in deren Inszenierungen. Hut ab! Und Hut ab genauso vor dem Meschen HDK! Dazu gehört auch seine Familie: Seine Frau, die das alles mitgetragen hat und weiterhin trägt: Ich heirate einen Bäcker und nach 40 Jahren entsteht daraus ein Kammerschauspieler, dazu gehören deren 2 Töchter mit Enkelkindern, denen er natürlich der beste Opa der Welt ist und für mich seit Jahrzehnten ein wirklicher Berufsfreund. Ein, nehmt alles nur in allem- ein Menschenfreund.  

MENSCH BLEIBEN  

Zu nichts hat Hans Dieter Knebel sich gedrängt - alles kam durch großen Einsatz von ganz alleine. Hans Dieter, du hast einfach Reiz, und diesen zu definieren ist unmöglich. 

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