LÄRM. BLINDES SEHEN. BLINDE SEHEN

„Die Macht hat ein Auge auf uns geworfen.“ „Uns“ stehen in Elfriede Jelineks jüngstem Text die Gates, Kurz, Soros und Rothschilds, die Chinesen und die Amerikaner, die Götter und Zauberinnen gegenüber. Aber nicht mit Gleichgültigkeit, wie „wir“ lange dachten, nein, sie kümmern sich intensiv um uns. Sie haben eigens ein Virus in die Welt gesetzt, um uns zu dezimieren, sie haben Impfstoffe entwickelt, die uns zuverlässig töten werden, wahlweise jagen sie uns auch Mikrochips unter die Haut, um uns bei unseren letzten Zuckungen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Akademietheater

Saison 2021/22

ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG

LÄRM. BLINDES SEHEN. BLINDE SEHEN

Elfriede Jelinek

Regie: FRANK CASTORF  

Bühne: ALEKSANDAR DENIĆ

Kostüme: ADRIANA BRAGA PERETZKI 

Musik: WILLIAM MINKE 

Video: ANDREAS DEINERT 

Licht: LOTHAR BAUMGARTE 

Dramaturgie: SEBASTIAN HUBER 

Künstlerische Produktionsleitung: SEBASTIAN KLINK 

 

Keine Rede von Vertrauensverlust und wachsender Entfremdung zwischen „unten“ und „oben“. Intensiv, giftig und körperlich ist das Verhältnis zwischen den Göttern und den Erdlingen, zwischen Kirke und dem Häuflein überlebender Männer unter der Führung des Odysseus, die die Zauberin mithilfe einer unbekannten Flüssigkeit in Schweine verwandelt. Aber waren sie das nicht schon immer? Waren es nicht Männer wie Schweine, die wesentlich zur Ausbreitung des Virus über Ischgl hinaus beigetragen haben? Bis in die großen Schlachthöfe, in denen Schweine wiederum massenhaft zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden? Die Pandemie, als mythensatte Schweine-Grippe betrachtet, führt bei Jelinek zu einem unverschnupften, klarsichtigen Text darüber, wie wenig wir unsere Lage verstehen (wollen) und über den Lärm, den wir dabei machen. „Sie sehen uns nicht, sie hören uns nicht, aber sie wollen uns zerstören.“

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