Nach Mythen. Über Hybris

Die vielleicht berühmteste Geschichte der Selbstüberschätzung endete mit einem tödlichen Sturz ins Meer. Ikarus, wir erinnern uns, war von seinem Vater Dädalus eingeschärft worden, Maß zu halten: Nicht zu hoch, jedoch auch nicht zu tief solle er fliegen. Ikarus jedoch vertraute der Bautechnik seiner Flügel, fataler Fehler, er kam der Sonne zu nah, das Wachs schmolz und was von ihm blieb, ist der Name einer Insel im Mittelmeer, auf der er beigesetzt wurde. Nun verhält es sich nicht immer so, dass Mittelmeerinseln nach berühmten Abstürzen benannt werden, manchmal ist es auch umgekehrt und ein Inselname wird zum Synonym für den Crash eines Menschen, der seine Unverwundbarkeit maßlos überschätzt. Die Antike lehrt uns also, dass die Kunst des Lebens wie der Politik damit zu tun hat, vernünftig zu sein und niemals mit Oligarchennichten zu saufen, wie privilegiert man sich auch fühlt, irgendwann gibt es bestimmt einen Untersuchungsausschuss. Aber wir sollten heute nicht vergessen, dass es auch genug Kriege gab, die im Namen der Vernunft geführt wurden, denn mit ihr lässt sich alles begründen. Und die Vernunft, wir erinnern uns, ist ein Begriff, mit dem sich traditionell die Männer geschmückt haben, aber am Ende waren es oft die Frauen, die in den rauchenden Trümmern der zerstörten Städte saßen und die Folgen getragen haben.

Spielplan Back to top