Nachgefragt bei: Anton Widauer & Enrico Riethmüller

Wie es ist für Kinder zu spielen: Anna Horn sprach mit den Darstellern von "Thomas und Tryggve"

Thomas und Tryggve

Mit „Thomas und Tryggve“ geht das Burgtheater in die Stadt und spielt nicht nur auf einer Bühne des Theaters. Was sind das für Orte, an denen ihr spielt?

Anton Widauer: Im Vestibül spielen wir für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, aber auch für alle Kinder, die groß geworden sind und sich freuen, eine tolle Geschichte über Freundschaft zu sehen.

AH Und in den Schulen?

Enrico Riethmüller: Einen besonderen Reiz machen die immer wechselnden Räumlichkeiten aus, aber vor allem die Kinder als Schüler*innen zu erleben und mit ihnen gemeinsam diese Geschichte in der „echten“ Schule zu durchleben.

Widauer: Die Reaktionen an den Schulen sind direkter, weil die Kinder vollkommen hemmungslos herausbrüllen, wenn sie was super oder wenn sie was schlecht finden und wenn die Figur etwas Blödes macht, dann wird sie ausgebuht. Schön ist auch, dass die Schüler*innen den Raum, den sie schon kennen, neu entdecken können.

AH Ist der Ablauf einer Schulvorstellung anders als der im Theater?

Riethmüller: Der Anfang ist ähnlich. Erst mal alle begrüßen und Anton fest umarmen. Dann schaue ich mir den Ort genau an und gehe mal das Stück im Schnelldurchlauf durch, um zu checken, ob alles da ist und inwiefern sich Abstände verändert haben könnten. Außerdem ist die Akustik des Raums dann immer etwas anders und ich mache ein paar sprachliche Übungen, um das abzuschätzen. Vielleicht auch Auftritte und Abgänge prüfen, ob das alles so funktioniert, wie im Vestibül oder ich mir das textlich oder spielerisch anders einteilen muss.

AH Was waren überraschende Momente in den Schulen?

Riethmüller: Bei der Hauptprobe, als ich als kleiner Thomas einen Pokal gewonnen habe und die Kinder fragte: „Wollt IHR mal meinen Pokal berühren?“, anstatt nur ein Kind anzusprechen. Auf einmal sind 50 Kinder aufgesprungen und wollten alle gleichzeitig den Pokal. Das war einerseits echt cool, aber auch eine gute Lehre für die nächsten Vorstellungen. Oder als ich am Stückanfang reinkam und zu einem Kind sage: „Hallo, wer bist denn Du? Ich bin der Tryggve.“ Und da sind auf einmal alle aufgesprungen und wollten mir die Hand geben und ich stehe in einer Masse von Kindern, aber das Stück muss weitergehen. Da hab ich schnell beschlossen, ich renne jetzt mal durch und geb jedem ein High Five.

AH Kannst du mir noch eine Anekdote erzählen, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Widauer: Unsere Premierenfeier war für mich eine der schönsten, die ich erlebt habe. Weil wir so viele Kinder bei der Feier hatten und es das allererste Mal war, dass es bei einer Premierenfeier vollkommen ok war, dass ich mit einem Kindersekt dagestanden bin, den ich dann mit den Kindern teilen konnte.

Fullscreen
Szenenfoto Thomas und Tryggve

Thomas und Tryggve

Regie: Anja Sczilinski
Mit: Anton Widauer & Enrico Riethmüller

Thomas und Tryggve sind zwei Freunde, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Tryggve weiß alles über das Weltall, bekommt von seiner fürsorglichen Mama Strumpfhosen zum Geburtstag geschenkt und wird deshalb von Maki gehänselt; Thomas gewinnt zwar einen Pokal, weil er der Schnellste und Stärkste der ganzen Volksschule ist, aber seinen Papa interessiert das überhaupt nicht und er muss abends oft alleine zuhause sein. Gemeinsam erleben Thomas und Tryggve die Aufregungen des ersten Schultages, das erste Verliebtsein, aber auch Momente, in denen sie nicht so gerne in die Schule gehen und ihre Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

Ein Stück über echte Freundschaft, über Mobbing, Mut und Heldentum. Die schwedischsprechende, in Finnland lebende Autorin und Regisseurin Tove Appelgren ist selbst Mutter von sieben Kindern und sucht in ihren Kinderbüchern und Theaterstücken liebevolle Lösungen für unlösbare Familien-Konflikte. Die Inszenierung THOMAS UND TRYGGVE ist eine Übernahme vom Residenztheater München.

BURGTHEATERSTUDIO kommt in die Bezirke. Thomas und Tryggve ist eine mobile Inszenierung, die von Kooperationsschulen und Institutionen gebucht werden kann.

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