Akademietheater

Der Henker

Premiere im Dezember 2019

Selten kommt man in die glückliche Situation, eine Dramatikerin wieder zu entdecken. Maria Lazar ist ein solcher Glücksfall. Maria Lazar, einigen auch unter ihrem Pseudonym Esther Grenen bekannt, stammt aus einer wohlhabenden, zum Katholizismus konvertierten jüdischen Wiener Familie. Schon in der Schule wird ihr literarisches Talent entdeckt und gefördert. Maria Lazar studiert zunächst Geschichte an der Universität Wien und schreibt während einer vorübergehenden Anstellung als Lehrerin ihren ersten Roman, Vergiftung, der 1920 erscheint. Im Jahr darauf erlebt ihr Einakter Der Henker an der Neuen Wiener Bühne seine Uraufführung. Sie schreibt für verschiedene Zeitungen vor allem Fortsetzungsromane und arbeitet als Übersetzerin, bevor sie emigriert und im Sommer 1933 gemeinsam mit Helene Weigel und Bertolt Brecht bei Karin Michaelis auf der dänischen Insel Thurø Unterkunft findet. Im Herbst 1935 zieht sie nach Kopenhagen und emigriert 1939 nach Schweden, wo sie sich wegen einer unheilbaren Krankheit 1948 das Leben nimmt.
Mateja Koležnik wird Maria Lazars Einakter Der Henker inszenieren. In diesem wird man Zeuge der letzten Stunden eines zum Tode verurteilten Mörders, der seinen Henker kennenlernen will und diesen zwingt, den Akt der Hinrichtung nicht als professionelle Pflichterfüllung, sondern aus tiefster persönlicher Überzeugung
zu vollziehen. In der Todeszelle werden moralische Standpunkte und Haltungen dekliniert. Der Mörder wird zum Herausforderer des Henkers in einer moralischen Debatte, die kompromisslos – und doch überraschend – bis zu Ende geführt wird.

Die 1962 geborene slowenische Regisseurin Mateja Koležnik inszeniert seit einigen Jahren in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Martin Kušej und Mateja Koležnik haben sich vor vielen Jahren am Slowenischen Nationaltheater in Ljubljana, wo sie beide inszenierten, kennengelernt. Die künstlerischen Wege und Werdegänge der beiden sind seitdem eng verflochten. Mateja Koležniks Arbeiten stehen für lustvoll ausgetüftelte Konzepte und Bühnenräume und eine stets brennglasgenaue Psychologie. Koležnik wurde 2018 mit dem Nestroy­-Theaterpreis für ihre Inszenierung der Wildente (Theater in der Josefstadt) ausgezeichnet.

Spielplan