Die Hamletmaschine

Premiere im Jänner 2020

„Im Rücken die Ruinen von Europa.“ Die Wendung aus dem ersten Satz von Heiner Müllers 1977 erschienenem, neun Seiten kurzen Theatertext könnte man als eine heutige Standortbestimmung Hamlets lesen. Nicht im Angesicht der Ruinen, sondern mit dem Rücken zu ihnen, auf der Klippe stehend, vor sich das große Meer, versucht er Worte zu finden, die zur Positionierung taugen, und „redete mit der Brandung BLABLA“. Die „Ruinen von Europa“ sind also nicht die Zukunft – übrigens ist auch nicht von Europa als einer Ruine die Rede in diesem Satz –, sondern sie sind die Voraussetzung, die Rückseite von Hamlets Ringen um eine Haltung in den gesellschaftlichen Kämpfen seiner je eigenen Zeit. Heiner Müller selbst hat seinen Text, gemeinsam mit Shakespeares Hamlet im Wendejahr 1990, als die Geschichte Europas ihren Lauf änderte, in Berlin inszeniert.
Hamlet zwischen Ost und West, zwischen der friedlichen Revolution in Osteuropa und dem alten System, das die Verwirklichung des Sozialismus für sich in Anspruch genommen hatte. „Mein Platz, wenn mein Drama noch stattfinden würde, wäre auf beiden Seiten der Front, zwischen den Fronten, darüber.“ Knapp zwei Jahre später flieht Oliver Frljić mit 16 Jahren in den Wirren der Kriege um das ehemalige Jugoslawien aus Bosnien nach Kroatien, studiert später in Zagreb Philosophie und Theaterregie und wird mit seinen hochpolitischen Inszenierungen von vielen bedeutenden europäischen Festivals eingeladen, mehrfach gastiert er bei den Wiener Festwochen. Auch er ist ein Künstler auf dem Riss zwischen den Epochen. An seine Inszenierung der Hamletmaschine wird sich eine gemeinsam mit dem Philosophen und Aktivisten Srećko Horvat kuratierte Veranstaltungsreihe unter dem Titel Europamaschine anschließen.

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