Akademietheater

Die Letzten

URAUFFÜHRUNG im Februar 2020

Angst. Angst vor Terrorismus. Angst vor Veränderung. Angst vor sozialem Abstieg. Angst vor fremden Kulturen und Religionen. Angst ist ein global zunehmendes Gefühl und macht sich in allen Lebens­ und Gesellschaftsbereichen breit. Angst wirkt auf unsere Gesellschaft und somit auf unsere Politik ein.
Simon Stone beschreibt in seiner Erzählung von Die Letzten eine angst­erstarrte Gesellschaft und siedelt die Themen in der reaktionären und kinderreichen Familie – wie auch bei Gorki angelegt – um den Polizeichef Iwan Kolomijzew an. In dessen Befehlsbereich sterben zwei junge Männer aufgrund brutaler Behandlungsmethoden, weshalb Iwan vom Dienst suspendiert wird. Nicht nur in seinem Beruf, sondern auch im familiären Kontext erlebt man Iwan als brutal, zynisch und rigoros. Er hat sich mit seiner Frau und seinen teils erwachsenen Kindern bei seinem Bruder eingenistet und terrorisiert fortan die Familie. Die Kinder – die titelgebenden „Letzten“ – haben in diesem System nur die Wahl, entweder ebenso zynisch und korrupt wie ihr Vater zu werden oder sich für immer zu befreien.

Vor dem Hintergrund der russischen Revolution von 1905 und seiner politischen Positionierung verbrachte Gorki die Jahre 1907 bis 1913 auf der Insel Capri, wo er sich ausschließlich mit russischen und politischen Themen beschäftigte. In dieser Zeit entstand Die Letzten, das Stück, das zwei Jahre nach seiner Entstehung 1910 in Berlin am Deutschen Theater in der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt wurde.

Gorki schreibt in Die Letzten über gesellschaftliche Prozesse nach der Revolution: Er beschreibt die Dämonisierung von Einwanderern, die Angst vor Terrorismus und jeder Veränderung. Simon Stone nimmt diese Motive auf und macht sie zu seinen „Letzten“. Das gesellschaftliche Klima bei Gorki interessiert Stone dabei genauso wie die erstickende Dynamik der dysfunktionalen Familie.

Spielplan