Akademietheater

2020 oder Das Ende

Koproduktion mit den Wiener Festwochen

Uraufführung im Juni 2020

Drei Frauen.
Eine Frau schwimmt in Flüssen.
Grün kräuseln sich die Wellen um ihren Körper. Sie ist stark, muskulös, darin geübt, sich im Wasser zu bewegen. Sie beschreibt, wie sich das Wasser anfühlt, die Bewegung, den Rhythmus. Sie spricht über ihren Körper. Über ihr Leben. Über all die Dinge, die sie getan hat und die sie nicht mehr tun wird. Denn die Welt wird untergehen. Und sie begrüßt das.
Eine Frau sitzt in einem Flugzeug. Sie ist nervös. Der Mann neben ihr sieht die Stewardess (die vielleicht die Schwimmerin ist) so an, dass klar wird, dass er sie auf der Toilette vögeln möchte. Die Frau trinkt Wodka. Vielleicht läuft Wasser in den Passagierraum. Nur ein bisschen. Niemand scheint es zu bemerken, außer der Frau. Die Minibar wird durch das seichte Wasser gerollt, Schinkensandwiches werden verteilt. Die Frau möchte sich übergeben. Sie wartet darauf, dass das Flugzeug abstürzt. Sie wartet darauf, dass ein Terrorist eine Waffe zieht. Sie wartet darauf, dass eine Leiche aus dem Frachtraum heraufklettert und sich vor ihr auf den Boden legt. Eine Frau in ihrer Küche. Sie starrt eine andere Frau in ihrer Küche an, die hochschwanger ist. Sie teilt die Vol-au-vents aus, mit deren Zubereitung sie den ganzen Tag verbracht hat. Sie füllt Champagner nach. Sie lächelt. Ihr Lächeln droht in Stücke zu gehen. Die Küche ist makellos. Edelstahloberflächen und große Glastüren sehen auf einen grünen Garten hinaus, der langsam zu verbrennen beginnt und zu einer Wüste wird. Die Gäste lachen. Sie reden über Golf und Politik und Hochzeiten und die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau. Outside the trees burn and the birds scatter. Draußen brennen die Bäume und die Vögel zwitschern.
Die englische Autorin Alice Birch schreibt für das Burgtheater ein Stück, das die Umweltkatastrophen unserer Gegenwart und nahen Zukunft als körperliche Erfahrungen ihrer Figuren erlebbar macht. Die Erzählungen dieses Triptychons drehen sich um private tipping points, um die Intimität der Katastrophe. Alice Birch ist hierzulande bekannt durch das Drehbuch für den Film Lady Macbeth, für das sie den renommierten British Independent Film Award erhielt. In den letzten Jahren hat sie bereits vier gemeinsame Arbeiten mit der Regisseurin Katie Mitchell vorgelegt, die seit Peter Handkes Wunschloses Unglück vor fünf Jahren erstmals wieder am Burgtheater arbeitet.
 

Spielplan