Burgtheater

Die HERMANNSCHLACHT

Premiere im November 2019

Die Hermannsschlacht – eine europäische Dystopie? Als Kleist sein Drama erfand, brannte der Kontinent. Nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt brach der preußische Staat unter dem Ansturm von Napoleons Truppen zusammen, wenige Jahre zuvor ertränkte sich die Französische Revolution im eigenen Blut, die deutsche Aufklärung blieb auf halbem Wege stecken. Kein Lichtstrahl, nirgends. Kleist schuf ein Werk, bestehend aus Hass. Um die Österreicher zu einer Allianz mit Preußen gegen Napoleon zu gewinnen, träumte Kleist von einer Uraufführung in Wien. Nach der Niederlage bei Wagram zerschlug sich dieser Wunsch nach politischer Einflussnahme. Hermann jedoch, Kleists unheimlicher Held, war geschaffen. Ein ganz neuer Führungstypus fand den Weg auf die Theaterbühne: Der Fürst der Cherusker, der den römischen Feind in die Tiefen des Teutoburger Walds lockt und vernichtend schlägt, um als Retter Germaniens gefeiert zu werden, ist ein Anti­Humanist, der gegen jedes Menschenrecht verstößt. Hermann, der Konfliktstratege, schafft ein Klima, welches den Staat in einen permanenten Ausnahmezustand versetzt. Er versteht es, eine gemeinsame Aggression gegen den äußeren Feind zu schüren, um das Gefühl einer Nation zu schaffen. Indem er die Leichenteile eines von Römern geschändeten Mädchens in die Länder sendet, erfindet er eine Strategie zur unkontrollierten Verbreitung furchtbarer Bilder und führt seine Propaganda in neue Höhen. Alles scheint möglich zu sein in Germania magna, der Zone jenseits von Zivilisation.
Genau zwanzig Jahre nach seinem Burgtheater­Debut mit Franz Grillparzers Weh dem, der lügt! inszeniert Martin Kušej zu Beginn seiner Direktion am Burgtheater Heinrich von Kleists kontroverses Drama des Nationalismus, in dem „Demokratie nicht als Zweck der nationalen Sache, sondern nur als Mittel erscheint, um das Volk in Anbetracht einer Gefahr von außen zur Verteidigung zu motivieren. Die zynischste Position in Bezug auf den Begriff der Selbstbestimmung, die man sich denken kann“. (Wolf Kittler)

Spielplan