Burgtheater

DIES IRAE – TAG DES ZORNS

Eine Endzeit-Oper von Paul Wallfisch, Kay Voges & Alexander Kerlin

URAUFFÜHRUNG im Dezember 2019

Wie oft er schon nahte, der Jüngste Tag. Wie oft es sich schon ankündigte, das Jüngste Gericht. Wie oft sie schon anklopfte, an unsere Tür: die letzte Stunde
der Menschheit. „Schon kommt Unglück auf Unglück. Das Ende kommt. Es kommt das Ende. Das Ende nähert sich dir. Siehe, es kommt,“ sagt der Prophet Hesekiel. Diesmal aber wirklich. Diesmal aber for real. Und die Gerechten werden getrennt werden von den Verdammten. Wenn nicht jetzt, dann morgen. Und wenn nicht morgen, dann halt nächstes Jahr. Armageddon. Armageddon. Armageddon.
Die Geschichte vom Ende aller Zeiten ist eine der größten Erzählungen, die wir besitzen. Wir erzählen sie schon lange — vielleicht, seitdem wir überhaupt erzählen. Und doch hat das Ende am Ende immer noch auf sich warten lassen. Häufig standen die Menschen schon zur vorhergesagten Stunde auf ihren Dächern. Sie reckten die Arme erwartungsfroh gen Himmel, dem Licht entgegen, einzugehen in das ewige Glück. Aber die Propheten waren immer falsche. Sie haben uns noch nie „die Zukunft gegeben“, sondern immer „die Gegenwart genommen“, wie der Schriftsteller Maurice Blanchot es ausdrückte.
Und obwohl sich die Erzählung vom Ende aller Tage in der Moderne zunehmend von ihren religiösen Wurzeln gelöst hat, lebt sie doch in säkularisierten Varianten zahlreich fort — mit unterschiedlich starker Anbindung an reale Bedrohungen: Untergang durch Technik. Untergang durch Umweltverschmutzung. Untergang durch Überbevölkerung. Untergang durch Migration. Untergang durch den Liberalismus. Nein, durch Neoliberalismus. Durch Europa. Durch die Jahrtausendwende. Durch Atomkraft. Durch Seuchen. Durch den Klimawandel.
Und so verharren wir angesichts des nahenden Endes immer im Moment davor. Solange wir noch leben, hängen wir fest. In der Schwebe. Auf einem Möbiusband aus Zeit.
„Qu’est­que tu veux que je te dise? Tu attends toujours le dernier moment,“ sagt Becketts Estragon aus Warten auf Godot. Und Vladimir antwortet: „Le dernier moment … C’est long, mais ce sera bon.“

In Dies irae trifft Schauspiel auf ein Musiktheater in der Schwebe: Was wäre eine Musik, die wie ein Spaziergang auf einem Möbiusband ist? Deren Ende naht, und naht, und naht; das aber nicht kommt, nicht kommt, nicht kommt? Eine Musik, die eine Stiege von M. C. Escher hoch will? Der New Yorker Komponist, Sänger und Pianist Paul Wallfisch (u. a. The Swans) lässt in dieser besonderen Arbeit heftige Rocksounds auf feinen Elektro prallen und komponiert für das Burgtheater den endlosen Loop vor dem doomsday — gemeinsam mit seiner hochkarätig besetzten Band: dem Schlagzeuger Toby Dammit (u. a. Iggy Pop und Nick Cave) und dem Multi­Instrumentalisten Simon Goff (u. a. Johann Johannson). Auf der Suche nach der Harmonie des erlösenden, finalen Akkords.

Regie führt der vielfach preisgekrönte Schauspiel­ und Opernregisseur Kay Voges, der in den letzten Jahren mit spektakulären Theaterarbeiten u. a. in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Dortmund auf sich aufmerksam gemacht hat.

 

Spielplan