Kasino

THE WHITE WEST III

Automating Apartheid. Conference
Konzipiert von Kader Attia , / Konzipiert von Ana Teixeira Pinto , /
Europamaschine

Der Westen gibt sich Fantasien von einer umgekehrten kolonialen Eroberung und der Unterwerfung der Weißen hin, treibt aber zugleich den Prozess der Rekolonisierung erneut und mit wachsender Grausamkeit voran. Die von der Gier nach Lithium angetriebenen jüngsten Ereignisse in Bolivien verdeutlichen die strukturelle Funktion von Rasse in der Geopolitik und die Rolle der digitalen Ökonomie in der Herstellung und Verfestigung einer neuen Siedlergesellschaft.
In seinem berühmten Essay ‚Über den Kolonialismus‘ vertrat der Schriftsteller Aimé Césaire die These, dass der in Europa sogenannte ‚Faschismus‘ nichts als die Rückkehr kolonialer Gewalt an den Ort ihres Ursprungs sei. The White West III: Automating Apartheid ist die dritte in einer Serie von Konferenzen unter dem Titel The White West und widmet sich einem theoretischen Zugriff auf das Nachleben des Faschismus und die bisher unzureichend analysierte Verbindung zwischen Siedlerkolonialismus einerseits und Faschismus und Nationalsozialismus andererseits.

Die Konferenz gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen, die von den neuen Leitungsteams des Burgtheaters und der Kunsthalle Wien gemeinsam organisiert werden. Drei diskursive Formate finden im Rahmen des Projekts EUROPAMASCHINE im Kasino im Vorfeld der Ausstellung … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden statt, welche am 8. März 2020 in der Kunsthalle Wien eröffnet. 
Eintritt frei! 
Anmeldung: rsvp@kunsthallewien.at
Kartenausgabe am jeweiligen Tag vor Ort 


Mit: Florian Cramer, Radhika Desai, David Golumbia, Marina Gržinić, Rose-Anne Gush, Zakiyyah Iman Jackson, Nitzan Lebovic, Olivier Marboeuf, Kalpana Seshadri, Felix Stalder, Ciraj Rassool, Dorcy Rugamba

Konzipiert von Kader Attia und Ana Teixeira Pinto
Organisiert von der Kunsthalle Wien in Kooperation mit dem Burgtheater

 

Das Konferenzprogramm im Detail


Do 13.02., 15–21 Uhr: The Structuring Force of Race in Geopolitics

 

15 Uhr: Begrüßung und Vorstellung durch WHW, anschließend Einführung zu The White West durch Kader Attia und Ana Teixeira Pinto 

15:30 Uhr: The Measure of (Re)barbarization 

  • Florian Cramer – The Meme of the "Political Compass"
  • Radhika Desai – Imperialism, Fascism and the Geopolical Economy of the 21st Century Capitalism
  • Rose-Anne Gush –The Fantasy of Misogyny as World Structure
  • Dorcy Rugamba – All Crimes against Humanity are Interrelated 
     

Florian Cramer versucht, die historischen und ideologischen Ursprünge des „politischen Kompasses“, seine Verwendung als politisches Propagandawerkzeug sowie seinen Aufstieg zum Meme und funktionalen Ersatz für politische Bildung nachzuzeichnen.

Radhika Desai wirft ein Schlaglicht auf den Vormarsch des verbreitet so genannten „Populismus“ und sein Verhältnis zum historischen wie aktuellen Faschismus und fragt, wie dieses wiederum mit dem Niedergang des westlichen Imperialismus zusammenhängt.

Rose-Anne Gush untersucht auf theoretischer Ebene die politischen Paradoxien der misogynen Fantasie als Weltstruktur in ihren Mikro- und Makro-Dimensionen.

Ausgehend von seinem Theaterstück Bloody Niggers wird Dorcy Rugamba den Genozid in Ruanda 1994 in einer langen Kette sich aufschaukelnder Verbrechen verorten.
 

17 Uhr: Diskussion, anschließend Q&A 
 

17:40 Uhr: Pause
 

18 Uhr: Necropolitics and Racialized Science

  • Kader Attia – Restoring the Irreparable 
  • Ciraj Rassool – Human Remains Restitution and the Politics of Undoing Race in the Museum
  • Marina Gržinić – How to blow the world of racial global necrocapitalism and provoke rebellion, power, thoughts 
  • Kader Attia untersucht die Ähnlichkeiten zwischen der Plünderung materieller Kulturgüter und den Phantomschmerzen Amputierter.
    ​​​​​​​

Ciraj Rassool setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern die Restitution sterblicher Überreste das Potential hat, das Museum als zutiefst koloniale und rassistische Einrichtung zu sprengen.

Marina Gržinić beschreibt, wie der Faschismus Hand in Hand mit Kapitalismus, Kolonialismus, Antisemitismus und Turbonationalismus arbeitet.
 

20:15 Uhr: Diskussion, anschließend Q&A 
 

Fr 14.02, 15–21 Uhr: Boundary Disputes

15 Uhr: Whither the Frontier? 

  • Felix Stalder – Digital Colonialism 
  • Nitzan Lebovic – Biometrics and “Universal Suspicion”
  • Kalpana Seshadri – Is the Post in Posthumanism the Post in Post-Racialism?
  • Ana Teixeira Pinto – Capitalism with a Transhuman Face 
    ​​​​​​​

Felix Stalder umreißt den Begriff des digitalen Kolonialismus, um zu erklären, wie Praktiken der Ausbeutung und Bevölkerungssteuerung, die zuerst im Rahmen des westlichen Kolonialismus entwickelt wurden, heute mittels digitaler Infrastrukturen in den westlichen Ländern zum Einsatz kommen.

Nitzan Lebovic analysiert die politischen Aspekte heutiger biometrischer Überwachungstechnologie und verortet sie in einer langen Geschichte physiognomischer und rassischer Klassifikationen.

Kalpana Seshadri zeigt, dass die Unterstellung, das Denken des Posthumanismus gehe in die Falle post-rassischer „Farbenblindheit“, sich einer Auseinandersetzung mit den Kontinuitäten zwischen Humanismus und Rassismus verweigert.

Ana Teixeira Pinto beleuchtet, ausgehend von Marinettis Roman Mafarka der Futurist, die Ätiologie faschistischer Gewalt und das Fortbestehen weißer rassistischer Biopolitiken.
 

17:20 Uhr: Diskussion, anschließend Q&A

18 Uhr: Pause 

18:20 Uhr: Whither Whiteness? 

  • David Golumbia: Blockchain – The White Man’s Burden
  • Olivier Marboeuf – White Skin, Black Mask: Appropriation of Identity Politics
  • Zakiyyah Iman Jackson – Insect Poetics and the Biopolitics of Reproduction in Simone Leigh's Trophallaxis

David Golumbia hinterfragt die Behauptung, dass Blockchain-Technologie für den verarmten Globalen Süden Vorteile bieten kann, und untersucht die Ähnlichkeiten zwischen der Rhetorik, mit der Blockchain angepriesen wird, und dem Diskurs von der „Bürde des weißen Mannes“ früherer Phasen der Kolonialgeschichte.

Olivier Marboeuf diskutiert die Aneignung und Entstellung von Identitätspolitiken durch faschistische Bewegungen in westlichen Ländern.

Ausgehend von Simone Leighs Trophallaxis und dem erklärten Interesse der Künstlerin an „schwarzen Frauen als einer Art materieller Kultur“ zeigt Zakiyyah Iman Jackson, wie zwei zumeist getrennt betrachtete Wissenschaftsgeschichten – die der Brust und die der Insekten – aufeinander abstrahlen.
​​​​​​​

20:15 Uhr: Diskussion, anschließend Q&A 

 

Spielplan