RETZHOFER DRAMAPREIS 2021

Seit 2003 vergibt das DRAMA FORUM Graz alle zwei Jahre den Retzhofer Dramapreis, der zu den renommiertesten Nachwuchspreisen für zeitgenössische Dramatik im deutschsprachigen Raum zählt. Seit 2015 wird der mit 5.000 Euro dotierte Preis mit einer Uraufführung des ausgewählten Textes in einer Spielstätte des Burgtheaters verknüpft. Zu den Sieger*innen der letzten Jahre gehören u. a. Gerhild Steinbuch, Johannes Schrettle, Ewald Palmetshofer, Ferdinand Schmalz, Miroslava Svolikova, Liat Fassberg und zuletzt 2019 Thomas Perle.

Vestibül 

Saison 2021/22

URAUFFÜHRUNG 

ADERN

Lisa Wentz

Burgtheaterstudio

Im Unterschied zu anderen Wettbewerben zeichnet sich der Retzhofer Dramapreis dadurch aus, dass die Bewerber*innen in der Arbeit an ihrem Stück von Regisseur*innen, Dramaturg*innen, Schauspieler*innen und Autor*innen unterstützt werden. Gerade die Verbindung aus der von Profis begleiteten Stückentwicklung und Wettbewerb erhöht die Chancen der Gewinner*innen, mit ihren Arbeiten in der Theaterwelt wahrgenommen zu werden: „Dem*der Autor*in wird ein Netzwerk an Verbündeten zur Seite gestellt, deren konstruktive Kritik essenziell ist für die Weiterentwicklung des eigenen Schreibens.“ (Gerhild Steinbuch, Preisträgerin 2003)

 

Lisa Wentz erhielt am 13.6.2021 für ihr Stück ADERN den Retzhofer Dramapreis.

Die Begründung der Jury

Eine junge Frau zieht mit ihrer kleinen Tochter in den 1950er-Jahren in ein Tiroler Bergdorf und heiratet dort den verwitweten Vater dreier Kinder. Diese scheinbar zweckmäßige, über eine Annonce herbeigeführte Verbindung im Stück „Adern“ birgt, wie sich allmählich herausstellt, eine besonders starke Liebe, von der die Autorin in knappen und umso wirkungsvolleren Dialogen erzählt. Geradezu lakonisch verstreichen die von den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges geprägten Alltagsmomente dieser frühen Patchworkfamilie, in der jeder mit seinen eigenen Geistern zu kämpfen hat. Rudolf fühlt sich für einen Unfall im Bergwerk verantwortlich, Aloisia musste den Vater ihres Kindes, einen französischen Besatzungssoldaten, ziehen lassen. Mit wenigen Worten entwirft die Autorin tiefgründige Figuren, deren Konflikte ohne großes Drama und oft im Ungesagten augenscheinlich werden. Sie beherrscht eine Dramaturgie der Stille, ähnlich den Dramen Ödön von Horváths, sowie einer der Zeitsprünge, die sich scheinbar beiläufig etwa über Nachrichten aus dem Radio bemerkbar machen. Mit „Adern“ liegt ein überaus kunstvolles Volksstück vor. Es lässt in seiner dialogischen Könnerschaft so manches Werk der Postdramatik weit hinter sich. 


Die Uraufführung wird in der nächsten Spielzeit im Vestibül stattfinden.
 

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