Sommergrüße aus dem Burgtheater

Ab 7.7., jeden Mittwoch auf YouTube

 

Reisen im Kopf  dazu laden wir unser Publikum während der Sommermonate ein: Jeden Mittwoch veröffentlichen wir eine Episode unserer Sommer-Reihe und senden einen literarischen, digitalen Gruß aus dem Burgtheater.

#ReisenImKopf
Digitale Postkarten aus dem Burgtheater


ab 7. Juli, jeden Mittwoch ab 18 Uhr
Mit Texten von Andreas Altmann, H.C.Artmann, Dennis Gastmann & Olga Tokarczuk


Mit Gunther Eckes, Dorothee Hartinger, Robert Reinagl & Martin Schwab


"Jedes Jahr eine Reise, seit sieben Jahren, seitdem wir geheiratet haben", erzählte ein junger Mann im Zug. Er trug einen eleganten langen schwarzen Mantel und hatte ein schwarzes Köfferchen bei sich, das aussah wie ein feiner Besteckkasten.
"Wir haben viele Fotos", erklärte er. "Alle der Reihe nach geordnet. Südfrankreich, Tunesien, Türkei, Italien, Kreta, Kroatien, sogar Skandinavien." In der Regel schauen sie die Bilder mehrmals an: zuerst mit der Familie, dann bei der Arbeit, dann mit Freunden, und danach liegen die Fotos jahrelang wohlverwahrt in Plastikhüllen, wie Beweisstücke im Schrank eines Detektivs: "Wir sind dort gewesen."

TEASER: #ReisenImKopf: SIEBEN JAHRE REISEN. Von Olga Tokarczuk. mit Dorothee Hartinger
ICH BIN aus: “Unrast”. Von Olga Tokarczuk. Mit Dorothee Hartinger
#ReisenImKopf #2: DER MAGISCHE MOMENT. OZEANIEN. Mit Martin Schwab
#ReisenImKopf #3: DER AUF DEM WASSER TREIBENDE BERG. AM RAND DER WELT. Mit Gunther Eckes
#ReisenImKopf #4: DAS SYNDROM. Mit Dorothee Hartinger

Er wurde nachdenklich und schaute aus dem Fenster. Draußen entflohen die Landschaften, werweißwohin hastend. Dachte er nicht manchmal darüber nach, was das heißt: "Wir sind gewesen"? Wohin sind die zwei Wochen in Frankreich, die sich heute mit Mühe in ein paar Erinnerungen quetschen lassen: plötzlicher Hunger an der Stadtmauer eines mittelalterlichen Orts und ein Augenblick, eines Abends in einem Lokal, unter einem weinberankten Dach. Was ist von Norwegen übriggeblieben? Nur die Kälte des Wassers in einem See und ein Tag, der nicht zu Ende gehen wollte, und dann noch die Freude über das Bier, das man kurz vor Geschäftsschluss hatte erstehen können, oder der umwerfende erste Blick auf einen Fjord.
"Was ich gesehen habe, das gehört mir", erklärte der Mann zusammenfassend, dabei lebte er plötzlich auf und schlug sich begeistert auf die Schenkel.

SIEBEN JAHRE REISEN.  Aus “Unrast” Von Olga Tokarczuk
Olga Tokarczuk. Unrast. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Kampa Verlag, Zürich 2019

Wir freuen uns, Sie im Herbst wieder in allen Spielstätten begrüßen zu dürfen und wünschen bis dahin einen erholsamen Sommer!

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