Teufel. Über Verführung

Der Teufel hat das unschätzbare Privileg, überall zuhause zu sein (er ist ein Eichhörnchen). Fausts Studierstube, das Moskau der 1930er Jahre, ein nordenglisches Dorf im Jahre 1759, Deutschland im Nationalsozialismus, oben und unten, vorgestern, heute und morgen, alles kennt der Teufel von langer Hand und sagt zu allem „Nein“. Damit ist er eine unverzichtbare Figur, ein Systemsprenger, an dem jede Ordnung zuschanden gehen muss. Denn ihre Kraft besteht in der Fähigkeit zur Integration. Der Teufel aber lässt sich nicht integrieren. Gegen die Machtmittel der Ordnungen – Belohnung und Strafe, Erziehung, Vereinzelung, Angst und Gewalt – bietet er eine denkbar schmeichelhafte Waffe auf, die Verführung. Verführte dürfen sich als Auserwählte begreifen, als Privilegierte, für die nicht ganz die gleichen Regeln gelten, wie für den stumpfen Rest. Sie sind Entführte aus den Grenzen des Bestehenden. „Was Gewalt heißt, ist nichts. Verführung ist die wahre Gewalt“, schreibt Lessing. Was soviel heißen mag, wie: Die Verführten sind sich selbst entführt.

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