Trauer um Gertraud Jesserer

(13. Dezember 1943–9. Dezember 2021)

Wir trauern um unsere Kollegin, Kammerschauspielerin Gertraud Jesserer, die bei einem Wohnungsbrand auf tragische Weise ums Leben kam.

Gertraud Jesserer begann ihre Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar. 1960 debütierte sie am Theater in der Josefstadt in Molnárs LILIOM, wo sie bis 1969 zum Ensemble gehörte. Neben ihrer Theaterarbeit war sie regelmäßig im Film und Fernsehen zu sehen – bereits mit 14 Jahren spielte sie ihre erste Filmrolle in DIE HALBZARTE, dem breiten Publikum war sie aus der Fernsehserie FAMILIE LEITNER bekannt.

 

Aus der Porträtgalerie des Burgtheaters: Gertraud Jesserer porträtiert von Gregor Zivic in einer eigens dafür geschaffenen Rauminstallation
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Schauspielerin Gertraud Jesserer porträtiert von Künstler Gregor Zivic in einer eigens dafür geschaffenen Rauminstallation

Von 1969 bis 1973 war sie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg engagiert, ab der Spielzeit 1973/74 gehörte sie dem Ensemble des Burgtheaters an.

Ihre ersten Rollen waren die Marianne in Horvàths GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD, Fritzi in Schnitzlers ANATOL, Christine in Schnitzlers LIEBELEI, Vittoria in Goldonis DIE TRILOGIE DER SOMMERFRISCHE, Luise in Schillers KABALE UND LIEBE, Iris in Bauers MAGNETKÜSSE und Mascha in Tschechows DREI SCHWESTERN.

Unter der Direktion von Achim Benning (1976–1986) spielte sie u. a. Jelena Nikolajewna in Gorkis KLEINBÜRGER (R. D. Dorn); Genia in Schnitzlers DAS WEITE LAND (R. O. Schenk); Kalerija Vasiljevna in Gorkijs SOMMERGÄSTE und Lucienne Vatelin in Feydeaus EINER MUSS DER DUMME SEIN (beide R. A. Benning); Dr. K. Michelsberg in Hochuths ÄRZTINNEN (R. A. G. Böckmann); Sonja Marmeladova in Liubimovs VERBRECHEN UND STRAFE (R. J. Ljubimov); Jenna in Norèns DÄMONEN, Else Reißner in Wedekinds MUSIK und Klara, Sophie und Buffetdame in Schnitzlers KOMÖDIE DER WORTE (alle R. D. Giesing).

In den Jahren 1986–1999, unter der Direktion von Claus Peymann, spielte sie die Titelrolle in Lorcas DONA ROSITA BLEIBT LEDIG (A. Kirchner); Sidonie Knobbe in Hauptmanns DIE RATTEN (R. P. Palitzsch); Crescene in Hofmannsthal DER SCHWIERIGE (R. J. Flimm); Lady Macduff/Hexe in Shakespeares MACBETH (R. C. Peymann); Stephanie Wasburn in Oates DIE MONDFINSTERNIS (R. F. Morak); Frau Muskat in Molnars LILIOM (R. P. Manker); Frau Jacobi in Bergmans SZENEN EINER EHE (R. D. Giesing); und nahm an zahlreichen Lesungen teil. In der Spielzeit 1998/99 spielte sie im Rahmen der Wiener Festwochen am Theater in der Josephstadt in FIGARO LÄSST SICH SCHEIDEN (R. Luc Bondy).

In der Spielzeit 1999/2000 spielt Gertraud Jesserer Gunhild Borkman in Ibsens JOHN GABRIEL BORKMAN (R. Nicolas Brieger) sowie die Polina Andrejewna in DIE MÖWE von A. Tschechow (R. Luc Bondy), im Oktober 2001 folgte die Hanna Kennedy in Schillers MARIA STUART (R. Andrea Breth), 2004/05 verkörperte sie die Susanne in Anouilh/Studlars DAS ORCHESTER & ZWISCHENTÖNE (R. Elisabeth Augustin), darüber hinaus war die großartige Sprecherin oft in Lesungen zu erleben.

Ihre letzten Arbeiten waren Madame Pernelle in TARTUFFE von Jean-Baptiste Molière (R. Luc Bondy, 2013) Julia in ROSA ODER DIE BARMHERZIGE ERDE nach Dimitri Verhulst und William Shakespeare (R. Luk Perceval, 2018) und in ZU DER ZEIT DER KÖNIGINMUTTER von Fiston Mwanza Mujila (R. Philipp Hauß, 2019)

Bereits 1974 wurde Gertraud Jesserer mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet, 1981 mit der Goldenen Kamera, 1998 folgten der Johann-Nestroy-Ring und der Goldene Rathausmann, 2003 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und 2015 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold.

45 Jahre gehörte sie dem Ensemble des Burgtheaters an.

Wir trauern um eine vielschichtige und unverwechselbare Künstlerin und liebenswerte Kollegin.

Gertraud Jesserer mit Karlheinz Hackl in DAS ORCHESTER
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Gertraud Jesserer mit Karlheinz Hackl in DAS ORCHESTER
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