Wiener Stimmung
Website

Antigone frisst Ariadnes roten Faden

Von Julya Rabinowich mit Alexandra Henkel

Wien im Frühjahr 2020: Eine Stadt im Ausnahmezustand, die politischen Entscheidungsträger souverän, ihre Umfragewerte auf historischem Hoch. Niemand hat es kommen sehen, niemand war darauf vorbereitet, aber die "Österreicherinnen und Österreicher" leisten alle ihren Beitrag. In dieser historischen Situation hat das Burgtheater österreichische und in Österreich lebende Autor*innen eingeladen, kurze Monologe für das Ensemble in Quarantäne zu schreiben. Aus der Wirklichkeit der Isolation der Schauspieler*innen ist ein Netz aus Geschichten entstanden, ein Stimmungsbild, ein fingierter Stadtplan, ein Bewegungsmuster: eine Wien-Parallele aus Ansichten, Bekenntnissen und Verlautbarungen, die von April an zwei Mal in der Woche auf der Website des Burgtheaters veröffentlicht werden.

 

Folge #10: Die eine wird zur Strafe lebendig eingemauert, die andere hat den hilfreichen Faden, der aus dem Labyrinth führt. Was aber, wenn das Gefängnis zum Schutzwall wird, die Wände zum Kokon, wenn das Verlassen des Labyrinths bedrohlicher erscheint als das Verharren darin? Julya Rabinowich spannt den Bogen von der Mythologie in unsere denkwürdige Gegenwart und entdeckt archaische Muster in der neuen Liebe zum social distancing.

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien. Sie ist als Schriftstellerin, Kolumnistin und Malerin tätig sowie als Dolmetscherin. Bei Deuticke erschienen Spaltkopf (Rauriser Literaturpreis), Herznovelle, Die Erdfresserin und Krötenliebe. Mit Dazwischen: Ich veröffentlichte sie bei Hanser 2016 ihr erstes Jugendbuch (mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis Östererich ausgezeichnet). 2019 folgte ihr Jugendbuch Hinter Glas.

 

Ansehen? Hier klicken!