250 Jahre BURG - Wie alles begann

Das alte Burgtheater am Michaelerplatz / Radierung (anonym), o. Dat. (um 1780)

Das Alte Burgtheater am Michaelerplatz entstand aus einem Ballhaus, das der spätere Kaiser Ferdinand I. 1540 im unteren Lustgarten an der Nordseite der Hofburg hatte erbauen lassen. Ballhäuser waren Sportstätten, in denen „Jeu de Paume“ gespielt wurde, ein Vorläufer des Tennis. Als dieses Ballspiel wieder aus der Mode kam, wurden Ballhäuser häufig zur Haltung exotischer Tiere umgebaut und hergerichtet. 

In Wien dagegen erhielt der Pächter des Theaters am Kärntnertor, Joseph Karl Selliers, 1741 von Erzherzogin Maria Theresia die Erlaubnis, das Ballhaus in ein Operntheater umzuwandeln.

Ansicht des alten Burgtheaters am Michaelerplatz / Aquarell von Franz Alt, 1886

Zuvor hatte man sich bei Hof nach dem Tod Kaiser Karls VI. und bedingt durch die nachfolgenden kriegerischen Ereignisse zu Einsparungen entschlossen und das kaiserliche Opernensemble entlassen. Selliers „neues“ Theater sollte allgemein zugänglich sein, in erster Linie aber dem Hof zur Verfügung stehen.

Nach Burgschauspieler Fred Hennings spiegelt das barocke Rangtheater genauestens die gesellschaftliche Schichtung der Zeit wieder:

Der Fürst auf erhöhtem Staffel, umgeben von seinem Hofstaat, macht den ersten Rang aus. Der zweite Rang darüber vereinigt die höhere Beamtenschaft. Noch höher sitzen die niederen Beamten und die Bürger. Der vierte Rang, dicht unter dem Dach, ist der Dienerschaft des Hofes und der Vornehmen eingeräumt. In das Parterre läßt man die schaulustige Menge des Volkes einströmen. Es steht wirklich tief, kaum in Augenhöhe mit dem Bühnenboden, und darf aufschauen zu den prächtigen Darbietungen, zu den glanzvollen Damen und Herren in den Rängen. 
(Hennings, Das barocke Wien, 1. Teil, S. 61 f.)
 

Als erstes musikalisches Bühnenwerk wurde im Februar 1742 die Oper „Ambleto“ von Francesco Gasparini aufgeführt.

Bereits 1743 wurde das Theater erweitert, unter Selliers Nachfolger Rocco di Lopresti wurde das „Theatrum nächst der kaiserlichen Burg“ neu erbaut und im Mai 1748 mit Christoph Willibald Glucks Oper „Die erkannte Semiramis“ eröffnet. Lopresti brachte namhafte (und teure) italienische Sänger und Sängerinnen und bedeutende Textdichter, Komponisten und Theatralarchitekten nach Wien, bis er Anfang 1752 Bankrott anmelden musste.

Die nachfolgenden Theaterunternehmer führten das Theater mit wechselndem Erfolg; der Spielplan des Burgtheaters wurde nun von französischen Prosastücken, Vaudeville und Ballett beherrscht. Das bürgerliche Wiener Publikum reagierte ablehnend, da es den Spielstil bevorzugte, den das Kärtnertortheater und die Vorstadtbühnen boten. Der Wiener Adel reagierte ebenfalls zunehmend ablehnend, da das gebotene Repertoire nur geringe Abwechslung brachte. Die Einnahmen für das Burgtheater waren daher gering.

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto: Aufführung der Ballett-Pantomime Le Turc généreux im alten Wiener Burgtheater, 26. April 1758

1761-1763 fand das deutschsprachige Theater des Kärtnertortheaters nach einer Brandkatastrophe Unterkunft im Burgtheater, französische Aufführungen wurden aber bis 1771 beibehalten.

Unter Impresario Graf Johann Nepomuk Koháry wurde das unrentable französische Ensemble abgeschafft. Die neu eingeführten italienischen Opern und Ballettaufführungen fanden beim Publikum zwar Anklang, führten aber durch hohen Aufwand zum Konkurs Kohárys.

Kaiser Josef II. verlangte schließlich im März 1776 Aufklärung über die Zustände im Burgtheater sowie eine Stellungnahme zu einer möglichen Schließung aller Hoftheater (Burgtheater und Kärntnertortheater) bzw. der Möglichkeit einer eventuellen Weiterführung. Er verfügte weiters die Kündigung der fremdsprachigen Oper, des Balletts und des Orchesters, lediglich die deutschsprachigen Schauspieler durften weiterhin Stücke einlernen und wurden vom Obersthofmeisteramt bezahlt.

Porträt Kaiser Joseph II. / Anonym, o. Dat.

Im Handbillet vom 23. März 1776 an den Fürsten Khevenhüller beschrieb Josef II. schließlich die Richtlinien zur Weiterführung der Hoftheater, wobei Punkt 5 für das Burgtheater besonders von Bedeutung ist:

 

5to., Überdiß werden Sie Mir ehestens einen Vorschlag herausgeben, wie Sie mit Anwendung derjenigen Beamten, so anjezo dem Hof zuruckfallen, das Theater nächst der Burg, so hinführo das Teutsche National Theater heißen solle, mit bester Wirthschaft sowohl die Einnahmen sicher stellen, als die zur Illumination und andern kleinen Ausgaben vorhandene Nothdurften wurden bestreiten können, das hinführo die Entrée des Teutschen Schauspiels, in solange von Hof gezahlt wird, der Eingang der Hetze, masquirten Bälle und Zinnß, deren Häusern aber auf beständig zu Bestreitung aller Gagen dieser Pensionisten, und andern Ausgaaben in Sartis tectis, und Garderobe, und zu Unterstüzung, nach Maaß als davon erübrigte, deren sich anmeldenden fremden Schauspielern gewidmet bleiben, so wie sie auch nächstens, wegen deren Logen und Abbonemens, die Publication erlaßen werden, in welcher über die Verbindung auf die Teutsche Comedie, ausgenommen im Sommer 4 mal, 6 mal die Woche eingegangen werden solle. (Protocollum separatum, S. 202 f.)

 

Das kann als Geburtsstunde des Burgtheaters angesehen werden – das Burgtheater sollte nun als Deutsches Nationaltheater in Eigenregie betrieben werden, um die Sicherstellung einer geordneten Leitung und Verwaltung zu garantieren. Die Schauspieler wurden zu Hofbeamten. 

Am 8. April 1776 erschien auf dem Theaterzettel anlässlich der Aufführung von „Die Schwiegermutter“ erstmals die Bezeichnung „Im Nationaltheater nächst der Burg“, womit die Bezeichnung Burgtheater gebräuchlich wurde. 

Erste Aufführung im Burgtheater am Michaelerplatz in seiner Funktion als Nationaltheater Theaterzettel, 8. April 1776

Bewusst gepflegt wurde nun das deutsche Sprechstück, weiters wechselten sich deutsches Singspiel und italienische Oper ab. Durch das Fehlen eines Konzertsaales in Wien wurde das Burgtheater auch eine Aufführungsstätte für Konzerte.

Laut Felix Czeike wurde zur Dauerlösung, was als Provisorium gedacht war – das vordergründige Ziel, fremdsprachige Aufführungen zurückzudrängen, machte das Burgtheater schließlich besonders im 19. Jahrhundert zur führenden deutschsprachigen Bühne.

1779 wurde der Zuschauerraum vergrößert. 1807 erfolgte die Übernahme der Hoftheater durch Mitglieder einer Kavaliersgesellschaft als Aktionäre ( die sogenannte „Hoftheaterunternehmungsgesellschaft“); wegen großer Verluste erfolgte bereits 1810 deren Auflösung. Auf Vorschlag von Ferdinand Graf Pálffy als Direktor der Hoftheater kam es zur Teilung der Aufgaben der Hoftheater – das Burgtheater war jetzt nur noch Sprechtheater. Ab 1821 wurde der offizielle Name „Hofburgtheater“ gebraucht.

1837 erfolgte eine Restaurierung des Innenraumes, 1845 auch eine äußerliche Umgestaltung. Durch den Ausbau der Hofburg, besonders des Michaelertraktes, wurde endlich der Bau eines neuen, größeren Theatergebäudes am Ring notwendig. Dem Spatenstich im Dezember 1874 folgten vierzehn Jahre Bauzeit, bis am 14. Oktober 1888 mit Franz Grillparzers „Esther“ und Friedrich Schillers „Wallensteins Lager“ das neue Burgtheater am Ring glanzvoll eröffnet wurde.

Quellen und Literatur

Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Protocollum separatum aller Hand-Billets vom 3. Nov. 1774 bis 13. Juli 1778 (Bd. 1, 11), No. 339: Hand-Billet an Fürst Khevenhüller ddto. 23. Martij 1776, S. 200-203

Czeike, Felix: Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden. Wien 1992-1997

Hennings, Fred: Das barocke Wien. I. Teil: 1620 bis 1683. Wien-München 1965

Lietzmann, Hilda: Das Neugebäude in Wien. Sultan Süleymans Zelt – Kaiser Maximilians II. Lustschloß. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. München-Berlin 1987

Michtner, Otto: Das alte Burgtheater als Opernbühne. Von der Einführung des deutschen Singspiels (1778) bis zum Tod Kaiser Leopolds II. (1792) (=Theatergeschichte Österreichs, Band III: Wien. Heft 1). Wien 1970

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