Zdeněk Adamec. Eine Szene

Das neue Stück von Nobelpreisträger Peter Handke beruht auf einer wahren Begebenheit. Allerdings: “Mit wahren Begebenheiten könnt ihr mich jagen. Und lang genug nun im Leben war ich ein Gefangener all der Aktualitäten. Die eingehämmert jeden Morgen, und eingehämmert bis spät abends, und weiterhämmernd quer durch die Nacht. Und ein spezieller Hammer die lang-lang, Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende lang zurückliegenden Geschichten, die angeblich ‘immer noch’ oder gerade heutzutage aktuell sind. [...] Eine immer noch aktuelle wahre Geschichte? Nein, sie ist die falsche, ist falsch oder, nein, sie ist falsch erzählt, ist gefälscht. Ich jedenfalls glaube ihr kein Wort.”

 

Burgtheater

Februar 2021

Zdeněk Adamec. Eine Szene

Peter Handke

Regie: Frank Castorf

Bühne: Aleksandar Denić

Kostüme: Adriana Braga Peretzki

Licht: Michael Hofer

Dramaturgie: Sebastian Huber

Was aber ist die Wahrheit von Zdeněk Adamec, der am Abend des 5. März 2003 in der tschechischen Kleinstadt Humpolec den Bus nach Prag bestieg und sich am Morgen des nächsten Tages dort auf dem Wenzelsplatz mit Benzin übergoss und selbst verbrannte? Und damit einerseits an die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach am selben Ort im Jänner 1969 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und die sowjetische Besatzung der Tschechoslowakei erinnerte und andererseits 17 junge Tschechen zur Nachahmung seiner Tat anregte? Peter Handkes Stück umkreist das Leben und die selbstmörderische Revolte dieses jugendlichen Einzelgängers mit Fragen und Geschichten, die vor allem eines festhalten: den Erklärungsnotstand, den dieses Leben und sein gewaltsames Ende hinterlassen.

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