Vestibül

Karpatenflecken

Thomas Perle &
Regie Katrin Lindner , ,
Bühne & Kostüme Moritz Müller , ,
Musik Andreas Radovan , ,
Licht Enrico Zych , ,
Dramaturgie Claudia Kaufmann-Freßner , ,
Saison 2020/21 | für alle ab 16 Jahren

Die Großmutter wurde im Königreich Rumänien geboren, ihre Schwester unter Reichsverweser Horthy in Ungarn, die Tochter kam in der Volksrepublik Rumänien zur Welt, die Enkelin kurz vor dem Ende der Sozialistische Republik Rumänien. Der Geburtsort ist dabei immer derselbe: Oberwischau in den Waldkarpaten im Norden Rumäniens, das Ende des 18. Jahrhunderts – einem Aufruf Maria Theresias folgend – von Siedlern aus dem oberösterreichischen Salzkammergut zur Salzgewinnung erschlossen wurde. Die Lebensgeschichten der Frauen, Nachfahren jener „teitschen“ Einwanderer und zeitlebens einer Minderheit zugehörig, fügen sich zu einem historischen Panorama, das vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Fall des Eisernen Vorhangs und den Hoffnungen auf ein besseres Leben im Westen reicht – ein Panorama, das mit einer innereuropäischen Migrationsbewegung beginnt und zwingend in die unmittelbare Gegenwart führt.

Thomas Perle, selbst 1987 in Oberwischau geboren und 1991 mit seiner Familie nach Deutschland emigriert, gewann mit KARPATENFLECKEN den Retzhofer Dramapreis 2019. Sein sprachlich wie formal beeindruckendes Drama erzählt auch von einer fast schon vergessenen Sprache: dem aus dem Altösterreichischen, Rumänischen, Ungarischen und Jiddischen amalgamierten und dennoch sehr vertraut klingenden Zipserisch.

Mit:

Elisabeth Augustin

Stefanie Dvorak

Deleila Piasko

Seit 2003 vergibt das DRAMA FORUM Graz alle zwei Jahre den Retzhofer Dramapreis, der inzwischen zu den renommiertesten Nachwuchspreisen für zeitgenössische Dramatik im deutschsprachigen Raum zählt. Seit 2015 wird der mit 5.000 Euro dotierte Preis mit einer Uraufführung des ausgewählten Textes in einer Spielstätte des Burgtheaters verknüpft. KARPATENFLECKEN ist das Sieger*innenstück 2019. Zu den Sieger*innen der letzten Jahre gehören u. a. Ewald Palmetshofer, Ferdinand Schmalz, Özlem Özgül Dündar und Miroslava Svolikova. Die Nominierten 2019 arbeiteten ein Jahr lang an ihren Texten – unter kontinuierlicher Begleitung und Beratung von Expert*innen für Drama und Film. Aus den fertigen Stücken wird durch eine fünfköpfige internationale Jury das Gewinnerstück gewählt.

„Der Retzhofer Dramapreis ist seit seiner Gründung vor mehr als 15 Jahren zu einem der wichtigsten Preise für Dramatiker*innen am Beginn ihrer Laufbahn geworden. Das liegt nicht nur daran, dass er mit einer Uraufführung verbunden ist. Was den Preis so wichtig macht, ist die kontinuierliche Vernetzung mit anderen Autor*innen und die Zusammenarbeit mit Regie, Spiel und Dramaturgie. Die*der Autor*in wird ein Netzwerk an Verbündeten zur Seite gestellt, deren konstruktive Kritik essentiell ist für die Weiterentwicklung des eigenen Schreibens. In diesem Sinne gratuliere ich der*m diesjährigen Gewinner*in herzlich und freue mich auf den Austausch!“ – Gerhild Steinbuch, Preisträgerin 2003

Mit freundlicher Unterstützung von Mitsubishi

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