Mein Kampf

“Immer spielt ihr und scherzt? ihr müßt! o Freunde! Mir geht dies In die Seele, denn dies müssen Verzweifelte nur.” Diese Worte Hölderlins stellte George Tabori 1987 seinem Stück voran, und in der Tat entsteigt der wundersame, abgründige Humor von MEIN KAMPF den dunkelsten Kapiteln der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

 

Burgtheater

Oktober 2020

Mein Kampf

Farce von George Tabori

Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori

Regie: Itay Tiran

Bühne: Jessica Rockstroh

Kostüme: Su Sigmund

Licht: Michael Hofer

Dramaturgie: Alexander Kerlin

Tabori war einer der ersten, der Adolf Hitler – knapp 50 Jahre nach Charlie Chaplins DER GROßE DIKTATOR – als Komödienfigur wiederentdeckte, und er trieb es bunt mit ihm: Als Landei aus Braunau am Inn, noch grün hinter den Ohren und doch schon gestochen vom Größenwahn, ein Monster in Windeln, reist der junge Hitler zum ersten Mal in seinem Leben nach Wien – im Gepäck ein paar mittelprächtige Aquarelle, mit denen er sich in grenzenloser Selbstüberschätzung an der Kunsthochschule zu bewerben gedenkt. Er kommt in “Frau Merschmeyers Männerheim unter ihrer Metzgerei” in der Blutgasse unter, wo er sich mit dem gefeuerten Koscher-Koch Lobkowitz und dem fliegenden Buchhändler Shlomo Herzl ein Zimmer teilt. Die beiden Juden sind sich uneins. Während Lobkowitz den jungen Hitler kritisch beäugt, beginnt Herzl, sich immer rührender und väterlich um ihn zu kümmern – und leiht dem Führer in spe sogar den Titel des Buches, an dem er gerade schreibt: MEIN KAMPF.

33 Jahre nach der Uraufführung im Akademietheater durch George Tabori (1914–2007) selbst kommt das Stück nun in einer Neuinszenierung auf die Bühne des Burgtheaters. Regie führt Ensemblemitglied Itay Tiran, der in der vergangenen Spielzeit VÖGEL von Wajdi Mouawad inszenierte.

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