Jenseits. Über das Unheimliche

Sigmund Freud hat uns gelehrt, dass das Unheimliche entgegen der Intuition nicht das Fremde oder Unbekannte ist. Das eigentlich Unheimliche am Unheimlichen ist, dass es uns so nah und vertraut ist, so sehr den vier Wänden, den Kellern unseres eigenen Heims angehört, dass wir es dort kaum noch erkennen können. Eine Dialektikerin wiederum mag dem entgegenhalten, dass das Unheimliche vielleicht weder das Unbekannte noch das allzu Nahe ist, aber all jenes, das weder dem einen noch dem anderen zuzuordnen wäre. Das Vertraute im Fremden, das Fremde im Vertrauten. Die schief klingenden Melodien der Lieder unserer Kindheit. Und schon befinden wir uns im „Uncanny Valley“, jenem Tal, in dessen verschatteten Landschaften nicht mehr zu unterscheiden ist: Bist du ein Mensch oder eine Maschine? Ist das hier die Realität, oder ist es das Nichts und Nirgends? Liebst du mich noch, oder folterst du mich schon? Bist du mein Geschöpf, oder ich deines? Lebe ich, oder bin ich tot? Sind diese rissigen, moosbewachsenen Mauern beseelt? Und du? Lebst du noch, oder bist du innerlich längst tot, mein Freund?

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