Wiener Stimmung
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Hallo hier spricht...

Von Eva Jantschitsch mit Marcel Heuperman

Wien im Frühjahr 2020: Eine Stadt im Ausnahmezustand, die politischen Entscheidungsträger souverän, ihre Umfragewerte auf historischem Hoch. Niemand hat es kommen sehen, niemand war darauf vorbereitet, aber die "Österreicherinnen und Österreicher" leisten alle ihren Beitrag. In dieser historischen Situation hat das Burgtheater österreichische und in Österreich lebende Autor*innen eingeladen, kurze Monologe für das Ensemble in Quarantäne zu schreiben. Aus der Wirklichkeit der Isolation der Schauspieler*innen ist ein Netz aus Geschichten entstanden, ein Stimmungsbild, ein fingierter Stadtplan, ein Bewegungsmuster: eine Wien-Parallele aus Ansichten, Bekenntnissen und Verlautbarungen, die von April an zwei Mal in der Woche auf der Website des Burgtheaters veröffentlicht werden.

Folge #19: Der hier spricht und reimt und sein Unbehagen performt, hat lauter halbgute Gründe und halbschlecht gemerkte Schlagworte (das kennt man von sich), ein enormes Tempo und eine große Gereiztheit, aber eine niedrige Hemmschwelle, er erscheint – in den Worten der Autorin – wie Anselm Lenz auf Meth. Hat er unrecht? Ja, naja, na klar, irgendwie schon. Eva Jantschitsch spielt virtuos auf der Klaviatur der gedanklichen Unschärfen, der gutgehenden Ressentiments, der diffusen Opposition und der auftrumpfenden Unverantwortlichkeit:
BEI KONTAMINATION – INTENSIVSTATION (MEINT REPRESSION)
WER WILL DAS SCHON?
WER WILL DAS SCHON?!

 

Wenn Eva Jantschitsch ein Junge geworden wäre, wie ihr Vater hoffte, hätte sie Gustav heißen sollen. Da es nicht so kam, kennen wir Eva Jantschitsch heute vor allem als Gustav, eine der erfolgreichsten Musikerinnen des Landes. Nach ihrem Studium an der Universität für Angewandte Kunst hat sie neben Plattenveröffentlichungen Filmmusiken komponiert und Theatermusiken (u.a. am Burgtheater und am Akademietheater) geschrieben und aufgeführt. Für die Proletenpassion 2015ff. erhielt sie den Nestroypreis.

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