Kasino

Ode

Thomas Melle
Caroline Baas, Sabine Haupt
© Karolina Miernik

Wie frei ist die Kunst? Wer darf wessen Geschichte auf der Bühne erzählen? Kann Kunst Menschen, Institutionen oder gar politische Systeme zugrunde richten? Geht die Kunst an political correctness zugrunde? 

Anne Fratzer, Akademierektorin und renommierte Künstlerin im Genre des „Bad Paintings“ widmet überraschend ihr neuestes Werk den Nationalsozialisten – aus einem scheinbar ganz privaten Grund: Weil die Nazis einst ihren gewalttätigen Alkoholiker-Großvater ermordeten, so die Künstlerin, wurden der Großmutter und ihrer Familie Qualen erspart. So hätten die Täter von einst eine Ode verdient. Misslungener Scherz, ernsthafte Provokation oder genialer Tabubruch? In der hypernervösen Debatte zwischen Rechtsnationalen und Linksliberalen prallen extreme Meinungen aufeinander. Aber das war doch der Sinn des Ganzen, die „soziale Plastik“ ist doch das eigentliche Kunstwerk? Anne Fratzer wird nach der Enthüllung ihres Kunstwerks mit unvorhergesehenen Konsequenzen konfrontiert. 

Thomas Melle (Autor von u. a. Die Welt im Rücken) hat ein gleichermaßen verstörendes wie rasant-komisches Stück geschrieben, dessen Themen weit über den Kunstkosmos, in dem es spielt, hinausreichen. Denn wie weit Äußerungen gehen dürfen, wer für wen sprechen soll, und welchen Raum Identitätspolitik, Erinnerungskultur und Heimatdebatten im öffentlichen Diskurs und in der institutionellen Praxis einnehmen sollen – diese Fragen berühren grundlegend das Selbstverständnis unserer Gesellschaft. 

Der Regisseur András Dömötör inszeniert mit Ode zum ersten Mal in Wien. Er wird 1978 in Ungarn geboren und lebt heute in Budapest und Berlin. 2003 schließt Dömötör sein Schauspielstudium ab, 2007 sein Regiestudium, beides an der Akademie für Theater und Film in Budapest, wo er von 2007-2017 auch unterrichtet. Seit 2014 arbeitet er als Theaterregisseur und Autor vorrangig im deutschsprachigen Raum, u. a. am Deutschen Theater Berlin, am Theater Basel und am Schauspielhaus Graz. In Ungarn inszeniert er am Katona József Theater und 2021 zum ersten Mal an der Ungarischen Staatsoper. 
 
 
 

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