Burgtheater

Don Karlos

Friedrich Schiller &
Freunde des Burgtheaters / A!
Regie Martin Kušej , /
Bühnenbild Annette Murschetz , /
Kostüme Heide Kastler , /
Musik Bert Wrede , /
Licht Tobias Löffler , /
Dramaturgie Götz Leineweber , /
Philipp II. Thomas Loibl , /
Elisabeth von Valois Marie-Luise Stockinger , /
Don Karlos Nils Strunk , /
Parma Arthur Klemt , /
Olivarez Tim Werths , /
Mondekar Marta Kizyma , /
Marquis von Posa Franz Pätzold , /
Domingo Johannes Zirner , /
Medina Sidonia Felix Kammerer , /
Der Großinquisitor Martin Schwab , /
Dauer
255 Minuten 1 Pause
Wiener Premiere
Szenenfoto Don Karlos

Spanien im 16. Jahrhundert. Die schönen Tage von Aranjuez hat es nie gegeben. Die Inquisition wütet. Zwar regiert Philipp II. mit harter Hand das Reich, in dem die Sonne niemals untergeht, doch seinen Sohn, Don Karlos, hat er nicht im Griff. Der Vater enthält ihm jegliche Liebe vor, heiratet zusätzlich die seinem Sohn versprochene Elisabeth von Valois und macht sie – um des Friedens willen – zur Königin ganz Spaniens. Und zur Stiefmutter des Sohnes. Don Karlos berät sich mit seinem Jugendfreund, dem Marquis von Posa, der in ihn dringt, für seine Interessen zu kämpfen und dazu die vergebliche Liebe nutzt. Es entspinnt sich eine Serie von Intrigen, die Friedrich Schiller in Don Karlos alle auserzählt. Dazu gehören – neben den Liebesverwirrungen – die Pläne und Strategien der Karrieristen der Macht, Herzog von Alba und Pater Domingo. Eine destruktive Mischung, in der ausgerechnet der Marquis von Posa eine zentrale Rolle spielt. Dessen Glaube an Freundschaft, seine freigeistige Aufrichtigkeit mit dem, was er für Wahrheit hält, bringt anfänglich noch Bewegung in die verkrusteten Machtverhältnisse, erweist sich jedoch bald als verräterisch. Jedem Vernunftideal wohnt ein Gewaltmoment inne.

Friedrich Schiller schrieb mit Unterbrechungen an diesem Vater­-Sohn­-Konflikt mit weltgeschichtlicher Auswirkung von 1783 bis 1787. Uraufgeführt zwei Jahre vor der großen Revolution, wechselte er dabei mehrfach die ästhetische Gestalt, vom bürgerlichen Trauerspiel zum Ideendrama. Gerade in der Figur des Posa rechnet Schiller mit der Aufklärung ab und zeigt, wie brüchig der Idealismus schon immer gewesen ist, wie gefährlich gerade hehre Ziele sind. Die folgenden Jahre werden seine Haltung nur bestärken. Don Karlos nimmt in seinem Werk eine Scharnierstellung ein: zwischen Sturm und Drang und der Weimarer Klassik. Es ist auch Nachricht aus einer Zeit, die noch keinen so schmalen Begriff von Politik hatte, dass sie ihr die Liebe nicht zurechnete.

Die Inszenierung Don Karlos ist eine Übernahme vom Residenztheater München.

Spielplan